10 September 2024

Haarentfernung, nur ein Trend?

Haarentfernung ist längst nicht nur ein modernes Phänomen. Tatsächlich reicht die Geschichte der Haarentfernung bis in die Antike zurück. Schon damals wurde viel Aufwand betrieben, um unerwünschte Körperhaare zu entfernen – sei es aus hygienischen, kulturellen oder ästhetischen Gründen. Heute entscheiden wir selbst, wie viel Körperhaar wir tragen möchten, doch ein Blick in die Geschichte zeigt, wie tief verwurzelt dieses Bedürfnis ist.


Zurück nach Ägypten – haarlose Pharaonen?

Glatte und haarlose Körper galten bereits im Alten Ägypten als Ausdruck von Attraktivität und Reinheit. Sowohl Frauen als auch Männer, darunter auch die Pharaonen, entfernten ihre Körperhaare. Die Haarentfernung war fester Bestandteil des damaligen Schönheitsideals. Dabei wurden Methoden wie Bienenwachs oder spezielle Pasten verwendet.

Eine besonders innovative Technik war die Mischung aus Wasser, Zitronensaft, Olivenöl und Zucker, die wir heute als "Halawa" oder Zuckerpaste kennen. Diese Methode, die in Ägypten ihren Ursprung hatte, ist bis heute beliebt.

Allerdings war die Anwendung alles andere als angenehm. Die Zuckerpaste wurde aufgetragen und mit Stoffstreifen ruckartig entfernt – eine schmerzhafte Prozedur, ähnlich wie das moderne Waxing.


Haarentfernung als Hygienemaßnahme im Nahen Osten

Im Nahen Osten wurde bereits um 4000 v. Chr. eine spezielle Paste namens Rhusma Turcorum zur Haarentfernung verwendet. Diese Mischung aus Stärke, Orpiment und gelöschtem Kalk war ätzend und entfernte die Haare effektiv. Bis ins 19. Jahrhundert war diese Methode verbreitet und wird teils noch heute in einigen Regionen genutzt, insbesondere in Indien, wo die Entfernung von Scham- und Brusthaaren ein integraler Bestandteil der Körperpflege ist.


Von Griechenland bis Rom – haarlos durch die Zeit

In der Antike galten haarlose Körper als schön und zivilisiert. In Griechenland und Rom wurde Körperbehaarung oft mit Barbaren assoziiert. Berühmt ist die Legende, dass Julius Caesar seine Barthaare gezupft haben soll, um ein glattes Gesicht zu behalten. Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Kunst wider, da Skulpturen und Gemälde aus dieser Zeit häufig haarlose Körper zeigen.


Ein Lichtblick im Mittelalter – Haarentfernung in dunklen Zeiten

Obwohl das Mittelalter oft als "dunkle Zeit" gilt, war die Haarentfernung auch damals ein Thema. Schon im 12. Jahrhundert wurden Schamhaare gezupft oder geschnitten. In sogenannten Badestuben boten professionelle Körperpfleger Haarentfernungen an. Rhusma Turcorum, das "Wundermittel" der Antike, fand hier ebenfalls Verwendung.


Und wie ist es mit der Neuzeit?

Im 20. Jahrhundert veränderten sich viele Schönheitsideale, doch der Wunsch nach glatter Haut blieb bestehen. In den USA wurden Rasuren an Beinen und Achseln bei Frauen Anfang des Jahrhunderts populär, auch aufgrund modischer Veränderungen. Rasierer für Frauen kamen erst 1915 auf den Markt. Es dauerte jedoch weitere 30 Jahre, bis sich dieser Trend auch in Europa verbreitete.

In den 60er-Jahren wurde die Haarentfernung zunehmend populärer, und glatte Achseln waren bald Standard. In den 70er-Jahren erweiterte sich der Trend auf den Intimbereich.


Das Glück, selbst bestimmen zu können

Heute steht uns eine Vielzahl von Methoden zur Haarentfernung zur Verfügung – von der traditionellen Rasur bis hin zur dauerhaften Laserbehandlung. Anders als in früheren Zeiten liegt die Entscheidung, ob und wie viel Körperhaar entfernt wird, bei uns selbst. Doch eines steht fest: Haarentfernung ist kein vorübergehender Trend, sondern ein tief in der Geschichte verwurzeltes Phänomen.